Was ist Method Acting?
Method Acting ist ein Schauspieltraining nach der Arbeit von Lee Strasberg
und dessen Nachfolgern.
Das Ziel von Method Acting ist es Schauspieler so auszubilden, daß sie
jede schauspielerische Aufgabe erfüllen können und dabei echte Gefühle
auf der Bühne oder vor der Kamera erleben und diese auf theatralisch wertvolle
Weise ausdrücken können.
Der Schauspieler wird befähigt zuverlässig und wiederholbar die Situation
des Charakters in der Szene wirklich zu erleben, immer wieder mit der
gleichen Spontaneität und Überraschung wie ein Mensch im wirklichen Leben.
Eine ausgewogene Balance zwischen Kontrolle und Impulsivität wird durch
einen konkreten künstlerischen Schaffensprozeß gesteuert.
Method Acting ist ein konkreter Weg als Schauspieler zu arbeiten. Der
Schauspieler erlernt jedes vorstellbare Gefühl unter noch so schwierigen
Bedingungen verläßlich hervorzurufen. Authentische Gefühle werden im Moment
der Aufführung erlebt. Das ist möglich, weil die Gefühle durch Erlebnisse
und Erinnerungen aus dem eigenen Leben ausgelöst werden. Diese Erlebnisse
werden durch klare Techniken zugänglich gemacht. Der Vorgang ist jederzeit
wiederholbar. Der Schauspieler kann so die Rolle tatsächlich erleben.
Der Zuschauer wird zum Augenzeugen dessen was in der Szene geschieht,
denn in gewisser Weise passiert es gerade jetzt im Moment dem Schauspieler.

Ein systematisches Training der Schauspieler ist Voraussetzung für die
erfolgreiche Umsetzung. Die Method basiert im wesentlichen auf einem Entspannungstraining,
auf der Schulung aller Sinne, sowie des emotionalen Gedächtnisses und
der Konfrontation und Bewältigung persönlicher Ängste und Hindernisse.
Keine andere Schauspiellehre hat jemals so weitreichende Erfolge in Theater
und Film erzielen können, wie die Schauspieler des Actors Studios und
die Schulen Strasbergs und seiner Nachfolger.
Die Ansätze von Stanislavsky und Strasberg lösen das Grundproblem der
Schauspielkunst: nämlich leidenschaftlich voll Gefühl zu sein und gleichzeitig
diesen Prozeß so steuern zu können, daß die Vorgaben der Szene, bzw. des
Autors erfüllt werden. Der Streit darüber, wie der Schauspieler Leidenschaft
und Kontrolle über die Gefühle erlangt beschäftigt Schauspieler seit der
Antike. Der Schauspieler Polus nahm die Asche seines verstorbenen Sohnes
auf die Bühne mit, um die Trauer vor den Überresten des Orest wirklich
zu empfinden. (Gewissermaßen war er der erste aktenkundige Method Actor!).
Der Streit Empfindung kontra Nachahmung beschäftigte Schauspieler aller
Zeiten. Einige gaben sich mehr dem Gefühl hin andere spielten die Gefühle
aufgrund von Beobachtung nach, um Kontrolle zu bewahren. Method Acting
hebt gewissermaßen den Grund für diese Spaltung auf. Der Schauspieler
arbeitet mit echten Gefühlen und erlangt in dieser Methode genug Kontrolle
den Prozeß zu steuern.
Das Grundprinzip von Method Acting ist einfach mit drei Fragen zu fassen:
- Wie fühlt der Charakter in der Szene?
- Was hat bei mir ähnliche Gefühle ausgelöst?
- Wie kann ich diese Umstände für mich real machen?
Besonders wichtig ist die Frage, wie die Umstände real gemacht werden.
Dies ist der eigentliche künstlerische Prozeß. Es gibt einfache konkrete
Techniken um diese Erlebnisse aus dem eigenen Leben für den Darsteller
real zu machen. Es ist eine Voraussetzung für den Schauspieler einen klaren
Weg zu haben, um wirklich künstlerisch einen Anspruch erheben zu können.
Doch bevor ein Schauspieler diese Techniken einsetzen kann, müssen oft
viele Blockaden und Ängste bewältigt werden. Auch hier gibt es hunderte
von klaren Übungen. Entspannung, innere und äußere Aufmerksamkeit, Selbstbewußtsein,
emotionale Berührbarkeit, Konzentration und Vorstellungskraft sind essentielle
Ausbildungsbereiche des instrumentellen Schauspieltrainings. Gerade in
diesen Bereichen haben einige Schüler Strasbergs wichtige Erweiterungen
entwickelt.
Selbstverständlich ist auch Stimmtraining und Bewegungstraining. essentieller
Bestandteil der Ausbildung. Ziel des instrumentellen Trainings ist, daß
der Schauspieler befähigt wird seine eigenen Gefühle aus der Entspannung
heraus auszudrücken in dem Maße in welchem er sie fühlt. Er wird aufmerksam
sowie berührbar nach innen und außen und lernt sich jedem Gefühlsbereich
auszusetzen. Zugleich muß die Stimme gestärkt werden und der Körper beweglich
und ausdrucksstark trainiert werden. Wenn diese Grundlagen erarbeitet
sind können Techniken, wie Sense Memory (sinnliche Erinnerung), oder Imaginäre
Monologe tatsächlich jede schauspielerische Aufgabe erfüllen helfen.
Für Strasberg wurde ein Satz aus Shakespeares Hamlet zum Ansporn und
Ziel:
"...daß der Spieler hier
Bei einer bloßen Dichtung, einem Traum
Der Leidenschaft, vermochte seine Seele
Nach eignen Vorstellungen so zu zwingen."